Die Arbeitskräftekooperation zwischen der DDR und der Sozialistischen Republik Vietnam

Zu beiderseitigem Nutzen

Vorabdruck. Die Arbeitskräftekooperation zwischen der DDR und der Sozialistischen Republik Vietnam

Von Hellmut Kapfenberger
Für den Aufbau einer erfolgreichen sozialistischen Wirtscha
Für den Aufbau einer erfolgreichen sozialistischen Wirtschaft: In der DDR erhielten Zehntausende junge Vietnamesen eine Aus- oder Weiterbildung (Foto aus dem Jahr 1982)

Nach dem Abschluß des Friedensabkommens (zwischen USA, Nord- und Südvietnam in Paris, d. Red.) Ende Januar 1973 verband sich das Bestreben der DDR und der vietnamesischen Partner, die beiderseitigen Beziehungen unter den neuen Bedingungen kontinuierlich und planmäßig weiter auszubauen, mit der Hoffnung auf dauerhaft friedliche Verhältnisse im ganzen Land. Bald aber zeigte sich, daß sich wohl der Norden von außen ungestört dem Wiederaufbauwerk widmen konnte. Im Süden hingegen sprachen nach kurzer Atempause dank der von Washington abgesegneten Abkommenssabotage Saigons allmählich wieder die Waffen.

Die intensivierten Kontakte zwischen Berlin (Hauptstadt der DDR) und Hanoi spiegelten sich in der Folge in zahlreichen gegenseitigen Arbeitsbesuchen von Delegationen der verschiedensten Ebenen und Sachgebiete wider. Reisen der Partei- und Staatsspitzen knüpften an die einstigen Besuche Ho Chi Minhs an der Spree und Otto Grotewohls in der Metropole am Roten Fluß an. Mitte März 1973 begab sich eine DDR-Partei- und Regierungsdelegation, geleitet vom Ministerratsvorsitzenden Willi Stoph, nach Vietnam. (…) Im Kommuniqué über den Besuch wurde informiert, daß beide Seiten »Maßnahmen zur Unterstützung der Demokratischen Republik Vietnam bei der Überwindung der Kriegsfolgen, zur Beschleunigung des sozialistischen Aufbaus und zur Erweiterung der wirtschaftlichen und wissenschaftlich-technischen Zusammenarbeit« beraten haben. Es sei eine »neue Etappe der Zusammenarbeit« eingeleitet worden. (…)

Ziel: Berufsausbildung

Zusammenarbeit und gegenseitige Hilfe, der Übergang von der vorherrschenden Einseitigkeit in den bilateralen Beziehungen zu echter Kooperation (…) war auch der Leitgedanke eines völlig neuen Kapitels im Miteinander von DDR und der Sozialistischen Republik Vietnam, das den Zusammenbruch der DDR weit überdauert hat. Es brachte erhebliche Probleme für das dann neu zu gestaltende deutsch-vietnamesische Verhältnis, womit man sich in Bonn angesichts von Vergangenheit und eigenem politisch-ideologischem Credo sehr schwer tat, und wurde in den Medien, auch den im Osten gleichgeschalteten, für viele Jahre zum strapazierten Thema in einem Gemisch aus Dichtung und Wahrheit.

1980 wurde zur Unterstützung der DDR-Wirtschaft und zur Linderung gravierender Arbeitslosigkeit in Vietnam die »Arbeitskräftekooperation« in die Wege geleitet. Auf der Grundlage eines entsprechenden, zunächst für fünf Jahre geschlossenen Regierungsabkommens war vorgesehen, maximal 20000 junge Männer und Frauen für den Einsatz in Industrie, Landwirtschaft und Dienstleistungssektor in die DDR zu entsenden. Delegierungsbasis sollte generell ein Berufsnachweis sein. Geplant und vereinbart war, den Aufenthalt in geringem Maße Bedarf des Entsendelandes entsprechend dennoch auch mit Berufsausbildung oder beruflicher Qualifizierung, so zum Meister, zu verbinden. Bis Ende 1982 waren bereits rund 10000 Jugendliche für eine dreijährige Tätigkeit in der DDR eingetroffen. Die zwischenstaatliche Regelung wurde in der Folge vor allem auf vietnamesische Bitte fortgeschrieben, die Aufenthaltsdauer verlängerte sich bisweilen erheblich, was nicht ohne Probleme blieb. Die Zahl der auf dieser Basis in der DDR weilenden vietnamesischen Bürger betrug zur Jahreswende 1989/90 etwa 54000, aus unerfindlichen Gründen seit vielen Jahren auch quasioffiziell mit Nachwendebegriffen wie »Vertragsarbeiter« oder »Abkommensarbeitnehmer« belegt.

»Fidschis« und »Ghettos«

In einer neueren westdeutschen landeskundlichen Publikation über Vietnam ist zu lesen: »Was die Boat People für die BRD, waren die Studenten, Lehrlinge und vor allem Vertragsarbeiter für die DDR. Von 1980 an arbeiteten aufgrund eines Regierungsabkommens mehr als 200000 Vietnamesen in Ostdeutschland. Sie rekrutierten sich sowohl aus Anhängern des Systems als auch aus Gegnern, denen es durch Bestechung gelungen war, die begehrten Arbeitsplätze im Ausland zu erhalten.« Die Zahl ist anzuzweifeln. Ein offenes Geheimnis aber war bald, daß im entsendenden Ministerium für Arbeit durchaus gelegentlich, wenn auch nicht von »Gegnern«, mindestens 15000 Dong über den Tisch geschoben wurden, um für Sohn oder Tochter einen der höchst begehrten Arbeitsplätze in der DDR zu ergattern. Plätze in der Sowjetunion, der Tschechoslowakei und Bulgarien, mit denen Vietnam gleichgeartete Regierungsvereinbarungen getroffen hatte, waren billiger zu haben.

In der Publikation heißt es weiter: »Die Gastarbeiter mußten personelle Unterbesetzungen in den Betrieben auffangen, nicht selten bekamen sie unqualifizierte Arbeiten zugeteilt und mußten oft die gefährlichsten und schmutzigsten Tätigkeiten übernehmen. Die vietnamesische Regierung hingegen hatte etliche Arbeitslose weniger und konnte sich zwölf Prozent des Bruttoverdienstes eines Vertragsarbeiters in das Staatssäckel stecken. Kontakte zwischen Deutschen und Vietnamesen waren nicht gerne gesehen. Die asiatischen Genossen wohnten in ghettoähnlichen Unterkünften und wurden auch von vietnamesischer Seite aus streng überwacht. Vietnamesen, die einen deutschen Partner gefunden hatten und im Land bleiben wollten, wurden schikaniert. Waren alle behördlichen Hürden überwunden, mußte sich die vietnamesische Seite mit 8000 DM vom eigenen Staat loskaufen. Ledige Arbeiterinnen durften keine Kinder gebären. Bis Februar 1989 galt: Abbruch der Schwangerschaft oder Heimflug. Noch zu DDR-Zeiten wurden die Gastarbeiter als ›Fidschi‹ beschimpft. Es gab Hetzkampagnen, sie würden AIDS verbreiten u. ä.«1

So liegen denn in einer über weite Strecken durchaus seriösen Schrift dem sogenannten Zeitgeist geschuldete Dichtung und eine Portion Wahrheit dicht beieinander. Fakt ist, daß die Verwendung dieser jungen Arbeiterinnen und Arbeiter aus Freundesland in vielen Betrieben und Einrichtungen wie auch ihr Leben in der DDR allgemein nicht gerade als das ruhmvollste Kapitel in die Geschichte der bilateralen Beziehungen eingegangen sind. Vor allem von vietnamesischer Seite gewünscht und von ihrer Berliner Botschaft überwacht, lebten sie abgeschottet in ihren Wohnheimen, bei denen jedoch schon nach außen hin von »ghettoähnlich« keine Rede sein konnte. Die ursprüngliche Delegierungsbasis wurde im Laufe der Zeit auf einen Schulabschluß reduziert, nur begrenzt verband sich Arbeit mit geplanter beruflicher Aus- oder Weiterbildung.

Die Vietnamesinnen und Vietnamesen wurden für gleiche Arbeit keine Mark anders entlohnt als ihre deutschen Kollegen, unterstanden demselben Arbeitsrecht und wurden von den Gewerkschaftsleitungen wie jedes einheimische Belegschaftsmitglied betreut. Es darf sicherlich davon ausgegangen werden, daß die in aller Regel ungemein fleißigen Vietnamesen im allgemeinen fest in die Arbeitskollektive integriert und auch von außerbetrieblichen Brigadeaktivitäten nicht ausgeschlossen waren. Kein Geheimnis blieb, daß sie in vielen Fällen Arbeiten zu verrichten hatten und des Verdienstes wegen auch übernahmen, die deutschen Kollegen nicht genehm waren.

Trotz mancher Fehlentwicklungen einer unzweifelhaft zum beiderseitigen Nutzen getroffenen zwischenstaatlichen Vereinbarung muß widersprochen werden, wenn – wie es in den vergangenen Jahren immer wieder geschah – der DDR Diskriminierung und quasi Sklavenhalterei vorgeworfen wird. Grundsätzlich waren beide Seiten bei den Verhandlungen zur Arbeitskräftekooperation davon ausgegangen, daß der Aufenthalt in der DDR zeitlich zu begrenzen ist. Ein Verweilen im Gastland war weder im Interesse der DDR noch der SRV. Deren Mühen um die Linderung der Arbeitslosigkeit ging einher mit der Erwartung, durch die Arbeit in modernen Betrieben und Einrichtungen besser qualifizierte Arbeitskräfte zurückzubekommen. Das erklärt die nach hiesigen Vorstellungen undenkbaren, teilweise drastischen Restriktionen gegen Rückkehrunwillige. Selbstverständlich war es Sache der vietnamesischen Seite, zum Nutzen des permanent Not leidenden Staatshaushalts den auch zu deren unleugbarem Vorteil in das Ausland Entsandten einen Tribut abzuverlangen.

Ökonomische Ausgangslage

Abruptes Ende 1989: Tausende ehemalige DDR-Vertragsarbeiter wurd
Abruptes Ende 1989: Tausende ehemalige DDR-Vertragsarbeiter wurden in den Folgejahren von der BRD abgeschoben (Demonstration in Erfurt, 14.12.1995)

Wie war die Ausgangsbasis für Vietnam, als die Arbeitskräftekooperation in die Wege geleitet wurde? Mitte 1982 waren im Arbeitsministerium in Hanoi dazu aufschlußreiche Fakten zu erfahren. Bei der Befreiung des Südens 1975 standen mehr als 3,5 Millionen Arbeitslose zu Buche. Von den etwa 55 Millionen Einwohnern waren rund 25 Millionen im arbeitsfähigen Alter. Bei einem Bevölkerungswachstum von 1,5 Prozent kamen jährlich etwa eine Million Arbeitskräfte hinzu. Die aus naheliegenden Gründen noch stark entwicklungsbedürftige Wirtschaft, gekennzeichnet von äußerst niedriger Arbeitsproduktivität, war mit dieser Situation überfordert. Das war KPV-Generalsekretär Le Duan Anlaß, wie Erich Honecker auch die Parteiführer anderer Bruderländer um Unterstützung zu ersuchen.

Man suchte auch aus eigener Kraft, dem Problem arbeitsloser Jugendlicher beizukommen. Landwirtschaft und Handwerk sollten dafür vor allem genutzt werden. So beschloß der 5. Parteitag der KPV im März 1982, in den kommenden Jahren mehr als eine Million Jugendliche in Neulandgebiete zu entsenden. Jedoch war die Arbeitslosigkeit nicht das einzige Problem. Bei allem Arbeitskräfteüberschuß machten die Arbeiter nur 15 Prozent der Arbeitskräfte aus, mußte ihr Anteil im Interesse der notwendigen Industrialisierung und der Schaffung neuer Arbeitsplätze erheblich steigen. Die eigenen Kapazitäten für die Ausbildung von Facharbeitern vermochten den Bedarf nicht zu decken. Deshalb sollte die forcierte Einrichtung neuer Berufsausbildungsstätten einhergehen mit der Qualifizierung durch Arbeit im Ausland. Zu den Anfängen der Kooperation auf dem Gebiet der Arbeitskräfte gehörte deshalb zum Beispiel 1981/82 die Entsendung von mehr als 200 Beschäftigten des Feinstahl- und Drahtwalzwerkes Gia Sang zur Arbeit und weiteren Qualifizierung in Stahl- und Walzwerke der DDR.

Positive Zwischenbilanz

Die Mitte 1982 im Arbeitsministerium gesprächsweise präsentierte erste Zwischenbilanz nannte als Einsatzgebiete der entsandten Arbeitskräfte vorrangig die Industrie, darunter die chemische Industrie, den Land-, Druckerei-, Textil- und allgemeinen Maschinenbau, die Leicht- und die Nahrungsmittelindustrie, den Dienstleistungsbereich, die Land- und Forstwirtschaft, das Bau- und das Gesundheitswesen. So war zu jenem Zeitpunkt mit mehr als 600 jungen Vietnamesinnen und Vietnamesen das größte Kontingent im Chemiefaserwerk Guben anzutreffen. Auch der Überseehafen Rostock-Warnemünde und die Interflug hatten Anteil. Von Seiten des Ministeriums wurde auf gute Lebensbedingungen, sehr gute Betreuung und die berufliche Weiterbildung in den DDR-Betrieben nach speziellen Programmen verwiesen. Besonders betonte man, daß die vietnamesischen Arbeitskräfte die gleichen Rechte genössen und Pflichten hätten wie ihre deutschen Kollegen. Im Unterschied zu den anderen Einsatzländern würden ihnen in der DDR auch Trennungs- und Kindergeld gezahlt.

Die vietnamesische Seite, erfuhr man, hielt ihre jungen Landsleute zu guter Arbeit an und beorderte Erkrankte oder Undisziplinierte wieder nach Hause. Eine spezielle Verordnung regelte das Verhalten der Arbeitskräfte im Ausland, Verstöße dagegen hatten Disziplinarverfahren zur Folge. Nach Einschätzung der Botschaft Vietnams in Berlin erfüllten die Arbeiterinnen und Arbeiter ihre Aufgaben. 1981 konnten einige bereits als Aktivist der sozialistischen Arbeit ausgezeichnet werden, wurden zwei sogar mit dem Orden »Banner der Arbeit« geehrt. Im VEB WEMA Werkzeugmaschinen Zeulenroda formierte sich das erste vietnamesische »Kollektiv der sozialistischen Arbeit«.

Problematisch für die DDR wurde im Laufe der Jahre die Frage, wie die große Menge technischer Konsumgüter nach Vietnam gebracht werden sollte, die die jungen Leute von ihrem beachtlichen Einkommen für die Unterstützung ihrer Familien oder für den späteren Aufbau einer eigenen Existenz zu kaufen vermochten. Da der Schiffstransport der Fahrräder, Mopeds, Koffer- und anderen Nähmaschinen sowie vieler weiterer, auch sperriger Gebrauchsgüter zu unsicher und zu langwierig war, hatte sich auf beharrlichen Wunsch der vietnamesischen Seite die damit nahezu völlig überforderte Interflug dieser Aufgabe zu stellen.

Schwere Schicksale nach 1989

Mit dem abrupten Ende der DDR veränderte sich für die mehr als 50000 zu jener Zeit im Lande arbeitenden Vietnamesen die Situation schlagartig und dramatisch. Mindestens 30000 von ihnen nutzten die von der letzten DDR-Regierung unter Ministerpräsident Lothar de Maizière gebotene Möglichkeit, mit »einmaliger Unterstützung« in Höhe von 3000 DM ausgestattet in die Heimat zurückzukehren. Die anderen gerieten, ohne die teilweise verheerenden Konsequenzen für sich erahnen zu können, in den Strudel des Untergangs ihres bisherigen Gastlandes. Die »neue« Bundesrepublik tat sich schwer mit ihnen und brauchte etliche Jahre, um ihr Schicksal zu klären. Einem großen Teil der Zurückgebliebenen wurde 1993 ein Bleiberecht eingeräumt. Wie zu hören war, haben einige tausend von ihnen nach der Grenzöffnung voller trügerischer Hoffnung »die Seiten gewechselt«. Sie trafen auf antikommunistisch gesinnte Landsleute, die seit 1975 als »boat people« oder auf anderem Wege aus Südvietnam hinausgelangt waren.

Anfang der 90er Jahre lebten mehr als 30000 Süd-Flüchtlinge in den alten Bundesländern und im Westteil Berlins, maximal 15000 einstige Arbeitskräfte in der DDR waren überwiegend in den neuen Bundesländern und in Ostberlin verblieben. Welcher Prozeß der Verschmelzung oder weiteren Abgrenzung von Vietnamesen in Ost und West seither vonstatten gegangen sein könnte, ist für Außenstehende wohl kaum zu durchschauen.

In den Folgejahren gelangten noch viele junge Vietnamesen, die in anderen sozialistischen Ländern, vor allem in der Tschechoslowakei, gearbeitet hatten, illegal nach Deutschland. Inzwischen ist die illegale Einwanderung auch direkt aus Vietnam zu einem lukrativen Geschäft von Schleuserbanden geworden. Um die Jahrhundertwende sollen etwa 90000 Vietnamesen in Deutschland gelebt haben. Die Gründer vietnamesischer Asia-Märkte, Textil- und Blumenläden, Imbisse, Restaurants und Marktstände im Osten der Hauptstadt und vielerorts in den neuen Bundesländern dürften in aller Regel einst im Rahmen der Arbeitskräftekooperation oder zur Ausbildung in die DDR gekommen sein und den Wendewirren widerstanden haben. Sie, in vielen Fällen auch Nachkommen und nachgeholte Angehörige haben wohl kaum etwas gemein mit dem herumlungernden Fußvolk der kriminellen Zigarettenmafia.

Kooperation in Leichtindustrie

Eine gleichfalls in den 80er Jahren begründete andere Form der Kooperation zum beiderseitigen Nutzen erfüllte im Gegensatz zu jener auf dem Gebiet der Arbeitskräfte die Erwartungen nicht, die insbesondere die DDR an sie geknüpft hatte. Sie hieß Kooperation in der Leichtindustrie in Gestalt von Auftragsfertigung oder Lohnproduktion von Textilien in Vietnam für den Markt der DDR. Gefertigt wurden vor allem Oberhemden sowie Arbeits- und Berufsbekleidung. Anliegen war, das Außenhandelsdefizit der Sozialistischen Republik Vietnam gegenüber der DDR auf diese Weise zum Teil zu decken. Nicht die Frage der Qualität oder der Vertragstreue des Auftragnehmers war das Problem, sondern die Kosten erwiesen sich als unzureichend kalkuliert. Da abgesehen vom Stoff alles Nötige nach Vietnam gebracht werden mußte und die für die hiesige Versorgungsbilanz fest eingeplanten Fertigprodukte zumeist von der Interflug statt auf dem kostengünstigeren Seeweg heranzuschaffen waren, schrieb die DDR letztendlich »rote Zahlen«.

Auch auf einigen anderen Kooperationsgebieten konnten trotz umsichtigen Einsatzes erster Spezialisten aus der DDR die gewünschten Ergebnisse nicht erzielt werden. Verantwortlich dafür waren Wunschvorstellungen der DDR von den Möglichkeiten der Zusammenarbeit in der tropischen Landwirtschaft im Süden Vietnams. Geplantes zeitgleiches Engagement in der Kautschukproduktion in den Heveaplantagen auf dem mittelvietnamesischen Hochland, in der Produktion von Kokosöl in den südlichen Küstenprovinzen und von Pfeffer kam über erste Schritte nicht hinaus. Es mangelte an den eigenen materiellen Möglichkeiten und der notwendigen Planung durch die vietnamesische Seite. Spezialisten aus der DDR hingegen konnten in der Hochlandregion um Dac Lac für die Stabilisierung und Ausweitung der vom Krieg stark in Mitleidenschaft gezogenen, noch schwach entwickelten vietnamesischen Kaffeeproduktion wirken. Wenn sich Vietnam heute auch in Deutschland einen Namen als Kaffee-Exporteur machen kann, dann können es sich Fachleute aus der DDR als Verdienst anrechnen, das materielltechnische Fundament dafür mit gelegt zu haben.2

Anmerkungen

1 Hans-Jörg Keller: KulturSchlüssel Vietnam, Max Hueber Verlag, Ismaning 2000, S. 119 f.

2 Dr. Hermann Schwiesau: Die DDR in der Region Süd- und Südostasien, in: Herausgeberkollektiv: DDR-Außenpolitik im Rückspiegel – Diplomaten im Gespräch, Münster 2004, S. 289 f., und Notizen Kapfenberger

Hellmut Kapfenberger: Berlin-Bonn-Saigon-Hanoi – Zur Geschichte der deutsch-vietnamesischen Beziehungen. Verlag Wiljo Heinen, Berlin 2013, 510 Seiten, 19,80 Euro * 25 s/w Fotos, (auch im jW-Shop erhältlich)

http://www.jungewelt.de/2013/04-15/022.php

This entry was posted in german. Bookmark the permalink.

One Response to Die Arbeitskräftekooperation zwischen der DDR und der Sozialistischen Republik Vietnam

  1. Pingback: dap do dieu 4

Leave a Reply

Fill in your details below or click an icon to log in:

WordPress.com Logo

You are commenting using your WordPress.com account. Log Out / Change )

Twitter picture

You are commenting using your Twitter account. Log Out / Change )

Facebook photo

You are commenting using your Facebook account. Log Out / Change )

Google+ photo

You are commenting using your Google+ account. Log Out / Change )

Connecting to %s